Erzbistum München und Freising. Vor genau fünf Jahren, am 26. Februar 2020, erklärte das Bundesverfassungsgericht das bisherige Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung für nichtig. Dies bedeutet, dass der Gesetzgeber zu einer Neuregelung der Suizidbeihilfe aufgefordert ist. Sowohl die ersten Gesetzesentwürfe als auch das Thema Suizidprävention sind in der Gesellschaft zu einem vieldiskutierten Anliegen geworden. Dabei sind Suizide mehr als eine statistische Angabe oder eine juristische Debatte. Es gibt viele Menschen, die einen Todeswunsch in sich tragen. Als eine Antwort auf die persönlichen Nöte von Betroffenen unterhalten die Malteser seit Ende 2023 im südlichen Oberbayern einen Beratungsdienst insbesondere für Menschen mit schwersten Erkrankungen oder dauerhafter Pflegebedürftigkeit, die einen solchen Todesgedanken haben. „Wir nehmen Menschen ernst, die tot sein beziehungsweise so nicht mehr leben wollen“, sagt Malteser Beraterin Claudia Hanrieder. Im gemeinsamen Gespräch wolle sie den Menschen mit Respekt und Einfühlungsvermögen begegnen und den Beweggründen und Ängsten Raum geben, die hinter einem Todeswunsch stehen. Auch Angehörige oder andere Personen im Umfeld sind eingeladen, den neuen Dienst in Anspruch zu nehmen.
Claudia Hanrieder ist Heilpraktikerin für Psychotherapie mit dem Schwerpunkt Gesprächstherapie und Mediatorin. Die Gespräche können telefonisch oder bei den Betroffenen zuhause stattfinden. „Unser Angebot richtet sich niederschwellig an Menschen, die mit ersten Gedanken und noch ohne Handlungsdruck den Tod als Ausweg aus einer Situation in Erwägung ziehen“, erklärt Hanrieder. Bei akuten Krisen und drohendem Suizid bieten die Telefonseelsorge (116 123) und der Krisendienst Bayern (0800 655 3000) kompetente und kostenlose Unterstützung rund um die Uhr.
Aus einem christlichen Menschenbild wolle man Betroffenen Gehör schenken und für sie da sein mit umfassender Expertise – psychosozial, medizinisch, ethisch, seelsorgerlich – so Hanrieder. Die Gespräche würden ergebnisoffen geführt. Es gehe um zwischenmenschliche Solidarität, in der sich die Betroffenen, An- und Zugehörige öffnen und darüber sprechen können.
Der Beratungsdienst der Malteser sei eine wertschätzende Ergänzung zu bestehenden Angeboten. Denn im professionellen Bereich kann bei den alltäglichen Hauptaufgaben und der zeitlichen Taktung möglicherweise nicht immer auf einen Todeswunsch umfassend eingegangen werden. Im privaten Bereich kann es vielleicht zu einer Überforderung kommen. Hanrieder betont: „Uns ist es ein Anliegen, dass Andeutungen ernst genommen werden und wir Beweggründen entsprechenden Raum geben.“
Das Projekt wird aus Mitteln des Hospiz- und Palliativfonds der Erzdiözese München und Freising finanziert.
Wer mehr über das Angebot wissen oder einen Gesprächstermin vereinbaren möchte, erreicht Claudia Hanrieder per Mail an claudia.hanrieder@malteser.org oder telefonisch unter 08031/80957-255 (Montag, Dienstag). Alle Informationen werden vertraulich behandelt.
Unterstützungsangebote:
Bei akuten Krisen und drohenden Suizid bieten die Telefonseelsorge unter 116 123 oder der Krisendienst Bayern unter 0800 655 3000 kompetente, kostenlose Unterstützung rund um die Uhr.
Weitere Informationen:
Malteser Hospizarbeit: www.malteser-hospizarbeit.de
Todeswünschen im Gespräch begegnen: Flyer